Wenn Nachwuchswissenschaftler ihr Forschungslabor verlassen und sich auf eine Bühne wagen, lustige Knetmännchen die klassische PowerPoint-Präsentation ersetzen und Fachchinesisch verpönt ist, dann ist FameLab-Zeit! Beim sächsischen Regionalausscheid des internationalen Wettbewerbes „FameLab-Talking Sience“ in der Leipziger Moritzbastei erlebten Anfang März hunderte Zuschauer die Faszination dieser ganz anderen Darstellung von Wissenschaft. Mit Spaß und kreativen Ideen brachten junge Wissenschaftler aus acht Nationen ihre hochkomplexen Forschungsprojekte in nur drei Minuten auf den Punkt: Stand-up-Comedy mit Doktorhut, sozusagen. Eine Fachjury beurteilte die Präsentationen und wählte zum Schluss die besten aus.

Mit Gitarre und Sombrero: Umweltforschung unterhaltsam

Den ersten Preis erkämpfte sich eine Dresdnerin mit bulgarischen Wurzeln: Liliana Malinovska vom Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden. Sie nimmt damit am nationalen FameLab-Ausscheid im Mai in Bielefeld teil. Der Publikumspreis für die unterhaltsamste Performance ging an den Mexikaner Otoniel Carranza Diaz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig. Der 31-Jährige eilte mit einer Topfpflanze auf die Bühne, denn Pflanzen spielen in seiner täglichen Forschungsarbeit eine große Rolle. Diaz beschäftigt sich mit dem Klären von Abwässern durch Pflanzen. Das Highlight beim FameLab: Diaz setzt sich einen riesigen Sombrero auf, nimmt seine Gitarre und singt „La Bamba“, umgedichtet auf „Pflanzenkläranlagen“. Das Publikum johlt begeistert.

Sympathische Statisten: Trickfilmfiguren als Zellproteine

FameLab-Gesamtsiegerin Liliana Malinovska hat sich dagegen eine lustig bunte Truppe von Trickfilmfiguren ins Boot geholt: die Barbapapas. Die Biochemikerin erforscht die Struktur von Proteinen in Zellen, genauer, welche Mechanismen diese Struktur aufrechterhalten. Die Barbapapas sind birnenförmige Fantasiefiguren, die sich knetmasseähnlich verändern können. Damit die fachfremden Zuschauer in Leipzig nachvollziehen können, was wann mit den Proteinen passiert, hat sie verschiedene Plakate mit den Trickfilmfiguren gebastelt. Liliana Malinovska: „Die Barbapapas eignen sich gut als Modell für mein Forschungsgebiet, denn ähnlich wie bei ihnen wird die Funktion von Proteinen durch ihr Aussehen bestimmt. Jedoch können Proteine ihre Struktur verlieren und wenn so etwas passiert, etwa durch Stress- oder Hitzeeinwirkung, kollabieren die Zellen oder sterben ab.“ Folgen solcher Strukturveränderungen bei Gehirnzellen sind Krankheiten wie Alzheimer oder Chorea Huntington.

FameLab: renommiertes Format für Wissenschaftskommunikation

International hat sich der Wettbewerb „FameLab-Talking Science“ als eines der renommiertesten Formate für Wissenschaftskommunikation in den Natur- und Technikwissenschaften etabliert. Nachwuchswissenschaftler sollen darüber ihre Fähigkeit schulen, komplexe Sachverhalte leicht verständlich zu erklären. Sachsen ist auf Initiative der Universität Leipzig und des UFZ Leipzig seit zwei Jahren erfolgreich dabei. Sollte Liliana Malinovska auch in Bielefeld punkten, darf sie beim internationalen Finale in Großbritannien antreten. „Das wäre ein Traum“, sagt sie. Und: „Ich finde es wichtig, Wissenschaft erklären können. Ohne Kommunikation kein Verständnis. Darum mache ich bei FameLab mit.“