Mit einem engagierten Lehrer vor der Tafel reicht eine Handvoll Kreide, um den Bildungsauftrag der sächsischen Schulen zu erfüllen. Dennoch helfen gelegentliche „Bildungserlebnisse“ vielen Schülern, das Gelernte anzuwenden und zu vertiefen. „Genau dafür sorgen die sächsischen Schülerlabore“, sagt Steve Federow, Projektleiter der Koordinierungsstelle Berufs- und Studienorientierung und Koordinator für diese innovative Unterrichtsvariante. In den Laboren erleben in Sachsen jedes Jahr rund 20.000 Schüler beim selbstständigen Experimentieren und Forschen einen Unterrichtstag der besonderen Art.

„16 Schülerlabore – an Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Museen – gibt es inzwischen in Sachsen, die sich vor allem naturwissenschaftlichen Themen und Berufsfeldern widmen“, weiß Federow. Und auch, dass man einen Tag im Schülerlabor nicht so schnell vergisst.

Eigene Erfahrungen mit der naturwissenschaftlichen Arbeit sind ein großes Plus der Schülerlabore.

Eigene Erfahrungen mit der naturwissenschaftlichen Arbeit sind ein großes Plus der Schülerlabore.

Physik zum Staunen

Den Siebtklässlern aus dem Dresdner Umland kann man ihre plötzliche Begeisterung für Physik förmlich ansehen. Toni darf den Schalter umlegen und schon leuchtet das weiße Waschmittel im UV-Licht in geheimnisvollem Blau. „Licht und Farbe“ ist das heutige Thema im Schülerlabor „DeltaX“, das zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehört. „Diese Art Nachwuchsförderung ist der Helmholtz-Gemeinschaft sehr wichtig“, erklärt Laborleiter Matthias Streller. „Deshalb nutzen wir die Möglichkeiten der Forschung vor Ort, um den Schülern außergewöhnliche Einblicke in die Wissenschaft zu geben.“ Besonders stark seien Programme  rund um das Thema Radioaktivität nachgefragt, das im Forschungszentrum eine lange Tradition hat und etwa bei der Erforschung neuer Krebstherapien eine Rolle spielt. „Als weitere Besonderheit können wir Schülern höherer Jahrgänge sogar die Arbeit mit echten Supraleitern ermöglichen“, sagt Streller.

Bis zu 3.000 Schüler aus der Region nutzen jedes Jahr die außergewöhnlichen Möglichkeiten am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Bis zu 3.000 Schüler aus der Region nutzen jedes Jahr die außergewöhnlichen Möglichkeiten am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Bis dorthin hat die siebte Klasse allerdings noch jede Menge Forschungsbedarf. Was kommt heraus, wenn man rotes und blaues Licht mischt? Jannis weiß die Antwort: „Lila!“ Doch beim Experiment mit farbigen LEDs kommt ein strahlendes Magenta heraus. Die Rot-Grün-Kombination ergibt ein sattes Gelb und kein matschiges Braun wie im Malkasten. Merke: Es gibt zwei Arten der Farbmischung! Im Laufe des Vormittags erkunden die Schüler noch die Unterschiede zwischen Glühlampen- und LED-Licht, schauen durch Gitterbrillen oder Spektroskope und staunen über die Vielfalt der optischen Physik.

Besonders beliebt: Experimente zur Optik.

Besonders beliebt: Experimente zur Optik.

Mehr als MINT

Der Erfolg der sächsischen Schülerlabore ist für Steve Federow Ansporn, die Programme  bekannt zu machen. „Nur wenige Lehrer wissen, dass viele Schülerlabore auch von Förderschulen genutzt werden können. Außerdem bieten einige Labore Schülerbetriebspraktika an“, sagt er und plant zukünftig auch noch mehr über den Horizont der klassischen „MINT-Fächer“ Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik hinaus. „Im Bereich Geistes- oder Sprachwissenschaften ließe sich mit der vielfältigen Dresdner Hochschullandschaft sicher etwas entwickeln …“ Die Zukunft bleibt also spannend.

Gemeinsam erschließen die Kinder sich die verschiedensten Wissensgebiete unter professioneller Begleitung.

Gemeinsam erschließen die Kinder sich die verschiedensten Wissensgebiete unter professioneller Begleitung.