Der unscheinbare Smart prescht nach vorn. Die Passagiere werden wie im Sportwagen in die Sitzpolster gepresst. Der Schub beeindruckt, die Stille irritiert: Der Fahrtwind rüttelt an den offenen Fenstern, das Surren des Antriebs ist allenfalls zu erahnen. So also fühlt sich Elektromobilität an, die Zukunft des Autos. Am Steuer sitzt Frank Fischer, Sprecher von Accumotive, einer Daimler-Tochter in Kamenz.

Die kleine Rundfahrt endet an einer Baustelle: 500-Millionen-Euro investiert der Mutterkonzern hier in eine neue Batteriefabrik. Insgesamt über 1000 Arbeitsplätze solle es ab 2020 in Kamenz geben. Nur einen Steinwurf entfernt montiert die Daimler-Tochter Accumotive bereits seit 2012 Energiespeicher für Fahrzeuge. Neben mehreren Hybrid-Modellen wird im Konzern bislang nur die Smart-Baureiche als „echtes“ Elektrofahrzeug angeboten. Doch das wird sich bald ändern: Zehn rein elektrisch betriebene Modelle bis 2022 hat Daimler-Chef Dieter Zetsche angekündigt.

Die Speichermodule aus dem Smart electric drive (vorn) sind auch für die verlustfreien Zwischenspeicherung von überschüssigem Strom (hinten) geeignet. © Daimler AG

„Die Nachfrage aus dem Konzern wird massiv steigen“, sagt Accumotive-Sprecher Fischer beim Rundgang durch die Montagehallen. Von derzeit 20.000 Quadratmetern werde sich die Produktionsfläche auf 80.000 vervierfachen, die Personalstärke von derzeit 350 auf bis zu 1.000 wachsen.

Bereichsvorstand Markus Schäfer, bei Mercedes-Benz Cars verantwortlich für die Produktion, nennt das Werk schon jetzt „eine der modernsten und größten Fabriken für Lithium-Ionen-Batterien in ganz Europa“ und sagte mit Blick auf den Neubau: „Kamenz und Elektromobilität werden untrennbar zusammengehören.“

Dass die Kompetenzen aus der sächsischen „Premium eBattery-Factory“ nicht nur in Deutschland sehr gefragt sind, zeigt ein weiteres Bauprojekt von Accumotive, gut 7.000 Kilometer entfernt. In Peking unterstützen Spezialisten aus Kamenz mit ihrem Know-how den Aufbau der ersten Batterieproduktion von Daimler außerhalb Deutschlands.

Grundsteinlegung bei ACCUMOTIVE in Kamenz für eine der größten und modernsten Batteriefabriken der Welt: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Gespräch mit Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars) und zwei Mitarbeitern von ACCUMOTIVE in Begleitung des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich sowie Markus Schäfer (Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain) und Frank Blome.

Grüne Produktion

Dieses Know-how zeigt sich übrigens auch in Umweltfragen, denn das neue Werk in Kamenz soll ähnlich sauber arbeiten wie ein Elektromobil. „Die gesamte Produktion wird CO2-neutral arbeiten“, erklärt Unternehmenssprecher Frank Fischer. Die notwendige Energie sollen ein Blockheizkraftwerk und die Photovoltaikanlage bereitstellen, unterstützt von stationären Energiespeichern. Deren Technologie stammt aus dem eigenen Haus und wird seit kurzem über die junge Daimler Tochter Mercedes Benz Energy vermarktet, ebenfalls von Kamenz aus. „Die Speichermodule sind die gleichen wie im Smart“, weiß Fischer, „doch der Vertrieb funktioniert völlig anders als in der Autobranche.“

Visualisierung der zweiten Batteriefabrik am Standort Kamenz, mit der sich die Produktions- und Logistikfläche auf rund 80.000 Quadratmeter vervierfacht. © Daimler AG