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Was macht ein Unternehmer, der vor Ort keine Mitarbeiter findet? Er stellt sich ein internationales Team zusammen.

Dass Handwerk goldenen Boden hat, kann Jesús Zapata aus Tarragona in Katalonien bestätigen. Der junge Spanier mit dem für uns ungewöhnlichen Namen arbeitet im Team von Peter Schiekel in Dohna bei Pirna für SPS – Schiekel Präzisionssysteme.

Jenseits der Leuchtturm-Städte suchen immer mehr mittelständische Firmen nach Beschäftigten. Als der 61 Jahre alte Unternehmer 1992 mit seinem Bruder Gert die GmbH gründete, „war Fachkräftemangel kein Thema“, sagt er. „Wir bekamen auf jede Stelle 20 bis 30 Bewerbungen.“ Weil es heute oft nur noch eine ist, geriet der Wachstumskurs des Unternehmens, das auf die mechanische Bearbeitung von Edelstahl in Klein- und Mittelserien spezialisiert ist, ernsthaft in Gefahr, auch weil aus anfangs zwölf mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter geworden sind.

Jesús arbeitet in Schiekels Team wie seine Kollegen im Drei-Schichten-System. Routiniert bedient er eine der CNC-Werkzeugmaschinen. „Die Einarbeitung ging recht schnell“, freut sich der junge Mann. „In Spanien hatten wir die gleichen Maschinen.“ Die Philosophie der Deutschen sei indes eine andere, meint er lächelnd. „Hier ist mehr Ordnung, es gibt mehr Regeln. Und das Wetter, na ja.“ Dann ringt er nach Worten, denn die deutsche Sprache von Grund auf neu zu lernen, braucht noch Zeit.

Achtzugeben gerade auf Mentalitätsunterschiede, das hat Schiekel die Mitarbeiterin einer Dresdener Personalagentur geraten. Eine Studentin durchforstete schließlich für ihn das Internet nach spanischen Jobportalen, in denen inseriert werden sollte. Mit einer Dolmetscherin wählte er vierzehn Bewerber aus, reiste nach Madrid und lud die Kandidaten zum Vorstellungsgespräch ein. Für die, die einen Vertrag erhielten und nach Sachsen kamen, folgten intensive Deutschkurse. Auch Wohngemeinschaften als erste Bleibe organisierte das Familienunternehmen. Deutsche Kollegen stellten Fahrräder, Behördengänge wurden gemeinsam gemeistert. Die Integration in die Firma klappt gut. „Wichtig ist, auch die deutschen Mitarbeiter mitzunehmen und gut zu begründen, warum wir das machen“, sagt Schiekel. Und bezahlt deshalb auch Spanischkurse für deutsche Mitarbeiter, da Integration keine Einbahnstraße sei.

Auf die Idee, nach Drehern und Fräsern im wirtschaftlich gebeutelten Spanien zu suchen, brachte den Mittelständler das Diakonische Werk. Auch der Wohlfahrtsverband beschäftigt Spanier in der Region. Schiekel suchte den Erfahrungsaustausch, der ihn ermutigte. Seit Herbst 2013 verstärken sieben Spanier seine Mannschaft. Noch einmal so viele kommen im September 2014 hinzu. Inserate im Internet, Reisen nach Spanien, Bewerbungsgespräche, Hilfe zur Wohnungssuche, Dolmetscherin und Sprachkurse – seine Kosten dafür veranschlagt Schiekel auf bis zu 40 Euro. Gut angelegtes Geld sei das, ist er überzeugt. Die neuen Mitarbeiter arbeiten zu seiner Zufriedenheit und „zu den gleichen Konditionen wie ihre deutschen Kollegen“, sagt der Unternehmer.