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Die Software „Little Bird“ aus Sachsen macht Kommunen und Eltern das Leben leichter.

Die Suche vieler Eltern nach einem Kita-Platz vergleicht Anke Odrig gern mit einem absurden Szenario: „Angenommen, Sie wollten in einer Welt ohne Internet und Reisebüro in den Urlaub fliegen. Sie müssten dazu Ihren Reisewunsch bei allen Airlines anmelden und würden erst eine Stunde vor Abflug erfahren, ob und mit welcher Fluglinie Sie verreisen können.“ Das klingt verrückt, aber als die Software-Beraterin 2007 eine Betreuung für ihren Sohn suchte, kam sie sich genau so vor: „Ich hatte zehn Anmeldungen im gesamten Stadtgebiet laufen, ohne zu wissen, ob und wo ich zum Zuge komme.“

Die Lösung in den Daten

Aus der Frage „Warum gibt es dafür keine zentrale Online-Lösung?“ wuchs schließlich die Idee zu „Little Bird“. In der Stadt Heidenau bei Dresden fand Anke Odrig offene Ohren für ihre Idee und ein ideales Labor für die ersten Schritte ihres Unternehmens. „Unser Ziel war eine Software, die den Kommunen die Bedarfsplanung erleichtert und gleichzeitig die Eltern entlastet“, erklärt die heute 39-Jährige. In Heidenau untersuchte sie unter anderem die Prozesse von der Anmeldung bis zum Vertragsabschluss mit der Kita, befragte Eltern und besuchte Kindergärten. Und überall stieß sie auf grundlegende Schwierigkeiten bei der Erfassung und Verarbeitung unterschiedlicher Daten: „Mehrfachanmeldungen in verschiedenen Kitas unterschiedlicher Träger konnten früher einfach nicht abgeglichen werden“, erklärt Anke Odrig die Situation, und „viele Kommunen hatten keine Ahnung, wie viele Plätze tatsächlich gebraucht werden oder wie viel Personal nötig ist.“

Alle Kitas im Blick

Anke Odrigs Sohn geht längst zur Schule und die Unternehmerin beschäftigt inzwischen 20 Mitarbeiter in Dresden und Berlin. Ihr „Little Bird“ fliegt heute in dutzenden deutschen Kommunen, Tendenz stark steigend. „Oft sind es Eltern, die vor Ort den Einsatz eines transparenten und verlässlichen Systems anregen“, freut sich die Gründerin über den Zuspruch. Basis dieses Erfolgs ist eine prozessgesteuerte Infrastruktur zur Verarbeitung aller relevanten Daten in einem System. Jedes Kind wird hier nur einmal erfasst, ganz gleich, in welchen Kitas der Stadt es von den Eltern angemeldet wurde. Daneben verknüpft die Software weitere Funktionen miteinander, die den einzelnen Kindertageseinrichtungen wie auch den Kommunen viel Arbeit abnehmen. Denn neben der Verwaltung von Anmeldungen, Vormerkungen und der Platzvergabe erlaubt die zentrale Datenbasis erstmals verlässliche Statistiken in Echtzeit, ein einheitliches Vertragsmanagement und eine belastbare Personalplanung für Kommunen und Einrichtungen. In Sachsen setzen neben Heidenau auch die Städte Bischofswerda und Görlitz auf „Little Bird“. Als familienfreundliche Städte machen sie damit auch das Leben vieler Eltern leichter, die nun verlässlich planen können.