11_voellig-vertieft-bei-der-sache

In Leipzig unterstützen Unternehmen die lebendige Kultur- und Kunstszene über konkrete Patenschaften.

„Wir haben ganz intensiv nach einer neuen Form der Kulturförderung gesucht – abseits von staatlichen Fördergeldern und dem Kultursponsoring der großen Unternehmen. Etwas Neues sollte es sein, leicht organisierbar mit konkreter Hilfe für die Kulturszene. Und: Es sollten sich auch kleine Firmen beteiligen können.“ Jörg Müller, 37, ist selbst Unternehmer mit großer Affinität für die freie Kunst- und Kulturszene. Er weiß, wo es klemmt, „nämlich häufig an ganz grundlegenden Dingen wie Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, juristischen Fragen.“ Also trommelte Müller 2008 eine Truppe Engagierter aus Kultur, Wirtschaft und Politik zusammen. In Köln war ihm die Idee der Kulturpaten begegnet, bei der Unternehmer Kulturschaffenden konkret helfen. „Das war es, was wir gesucht hatten.“ Die Leipziger passten das Kulturpaten-Konzept auf die Bedürfnisse der Messestadt an und legten einfach los – nach einer Vorbereitungszeit von gerade mal sieben Monaten. „Die Resonanz auf Unternehmens- wie Kulturseite war super“, blickt Müller zurück. Seitdem sind 134 Patenschaften entstanden.

KulturPaten als Retter in der Not

Eine davon ist die Patenschaft zwischen VisionBakery und den Leipziger Buchkindern. Das ist ein Verein, bei dem Kinder ihre Geschichten in selbst gestalteten Büchern erzählen – von der ersten Idee über die Gestaltung bis zum Druck. 2013 stand der Verein vor einem riesigen Problem: Der Mietvertrag der bisherigen Wirkungsstätte war gekündigt worden. Obwohl die Buchkinder recht schnell neue Räume im kreativen Westen der Stadt fanden, wurden die Probleme größer statt kleiner. „Wir brauchten 10 Euro für das Renovieren und Umziehen. Und wir hatten keine Ahnung, wie wir das Geld dafür auftreiben“, erinnert sich Birgit Schulze Wehnick vom geschäftsführenden Vorstand. „In der Situation war die Hilfe durch die Leipziger KulturPaten einfach großartig.“ Die KulturPaten vermittelten den Kontakt zu dem jungen Leipziger Unternehmen VisionBakery, das sich auf Crowdfunding spezialisiert hat. Die Chemie stimmte und eine neue Patenschaft war geboren. „Über unsere Online-Plattform finanzieren wir kreative Ideen. Jeder kann eine beliebige Summe spenden und erhält dafür eine Gegenleistung“, beschreibt Geschäftsführer Stephan Popp die Geschäftsidee von VisionBakery. „Unter dem Titel ‚Ein neues Zuhause für die Buchkinder‘ haben wir auf unserer Seite das Projekt vorgestellt. Außerdem standen wir den Buchkindern beratend zur Seite. Bei dieser modernen Finanzierungsform ist vor allem wichtig, die sozialen Medien gezielt zu nutzen.“

Der Plan funktionierte. In einem Monat spendeten mehr als 200 Leute rund 16 Euro. „Wir konnten es anfangs gar nicht fassen, dass so viel zusammengekommen ist“, sagt Birgit Schulze Wehnick. „Über die Kulturpatenschaft haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dass wir renovieren und umziehen konnten.“ Auch für VisionBakery war es eine prima Sache: „Als Startup können wir uns große Sponsoringbeträge nicht leisten. Dennoch ist uns gesellschaftliches Engagement wichtig. Über die Kulturpatenschaft war das möglich“, so Popp.

Sächsische Idee mit deutschlandweiter Strahlkraft

Heute strahlt die Idee der KulturPaten, wie sie in Leipzig gelebt wird, nach ganz Deutschland – nach Hamburg, Berlin und Dresden. Das zupackende Engagement der Leipziger ist inzwischen mehrfach preisgekrönt: 2011 bekamen die KulturPaten den Initiativpreis für Kunst und Kultur des Freistaates Sachsen, 2012 wurden sie ein Ort im Land der Ideen, und 2014 erhielten sie den Agenda-21-Nachhaltigkeitspreis der Stadt Leipzig.

www.leipzigerkulturpaten.de

www.visionbakery.com/buchkinder

www.buchkinder.de