05_mitarbeiter-wolfgang-riedel-an-der-trondheimer-schanze-(quelle-peter-riedel)

Je schneller die Anlaufspur, desto weiter der Sprung, lautet eine Faustregel beim Skispringen. Beim Neujahrsskispringen in Garmisch Partenkirchen im Rahmen der Vierschanzentournee am 01.01.2015 werden die Athleten dabei gute Karten haben. Sie starten auf einer Hochleistungsspur aus Eis, entwickelt und gebaut von Peter Riedel aus Raschau in Sachsen.

Riedel, Jahrgang 1963, hat kein Problem damit, dass der derzeitige erzgebirgische Winter in diesem Jahr eher sparsam mit dem Schnee ist. Ganz im Gegenteil, genau dieses Wetter ist die Grundlage für seine Geschäftsidee. „Ich lebe davon, dass es sehr wenig oder gar keinen Schnee gibt, dafür sind unsere Anlaufspursysteme gemacht.“ Der studierte Bauingenieur hat eine spezielle Spur für Skispringer entwickelt, die auch bei Plusgraden funktioniert. Der umtriebige Geschäftsmann steht in seiner Werkhalle und demonstriert die Innovation an der Testanlage: „Die Sportler rauschen auf einer 7,5 Zentimeter dicken Doppel-Eisspur die Schanze runter, die über ein spezielles und energiesparendes Kühlsystem perfekt in Form bleibt. Unsere Fräsmaschinen haben der Eis-Oberfläche außerdem ein besonderes Profil verpasst. Das verringert die Reibung und macht die Sportler noch schneller.“

Sicher, schnell und smart: Anlaufspuren mit integrierter Auswertungselektronik

Integrierte Sensoren am so genannten Schanzentisch, den letzten Metern vor dem Absprung, ermöglichen außerdem eine detailliierte biometrische Auswertung. Sie ermitteln beispielsweise die genaue Absprungkraft der einzelnen Skier, die möglichst gleich verteilt sein sollte. Das innovative Messsystem ist ein Gemeinschaftswerk, erklärt Peter Riedel: „Aus Leipzig kommt die Software, von uns die Hardware. Die wissenschaftliche Betreuung liegt bei der Uni Salzburg.“ Für das Skispringtraining im Sommer hat der gebürtige Sachse außerdem eine Spur aus Porzellan-Noppen entwickelt. „Bisher funktionierte das ausschließlich über Glas. Unsere neuartigen Porzellannoppen sind reibungsärmer und deshalb schneller“, so Riedel. Diese Systeme, ausgerichtet an den strengen Vorgaben des internationalen Skiverbands, machen ihn international führend in der Branche. Seit 2007 agiert Peter Riedel mit seiner Firma am Markt, beschäftigt sechs Mitarbeiter und ist stolz, 26 internationale Projekte in einem hart umkämpften Markt realisiert zu haben.

Von Sachsen nach Österreich, Russland, Japan oder Norwegen

Darunter sind viele Schanzen, die in der Wintersportszene einen Ruf haben – von Garmisch-Partenkirchen in Deutschland, dem russischen Tschaikowski über Zao in Japan bis zum norwegischen Trondheim. Peter Riedel glüht für den Wintersport, seine Sportbegeisterung wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Vater Eberhard Riedel war einer der erfolgreichsten alpinen Ski-Sportler der DDR, bis die DDR-Führung diese Sparte als Profisport einstampfte. Die Leidenschaft für den Wintersport gab der Vater an seine Söhne weiter. Peter Riedel, der Jüngere von beiden, machte sein Hobby schließlich zum Beruf. Heute ist seine Expertise weltweit gefragt, unter anderem als Partner des österreichischen Skiverbands. Der 51-Jährige ist gern und viel unterwegs. Jetzt sitzt er schon wieder auf gepackten Koffern und ist gedanklich in Garmisch-Partenkirchen bei der Vierschanzentournee. Dort wird er mit seinen Mitarbeitern dafür sorgen, dass das von ihm entwickelte Anlaufspursystem auf der 140 Meter hohen Schanze perfekt funktioniert.