02_patrik (rechts) zusammen mit kumpel david klemm in seinem buero im gruender- und innovationszentrum freiberg.

Patrik Phan hat als 16-Jähriger seine eigene Webdesign-Agentur Designtoasty gegründet.

An den 26. Juni 2013 wird sich Patrik Phan noch ewig erinnern, da ist er sich sicher. „An diesem Tag habe ich vom Amtsgericht Freiberg grünes Licht bekommen, meine Webagentur Designtoasty gründen zu können“, sagt der gebürtige Brand-Erbisdorfer. Um als Minderjähriger die gleichen Rechte wie ein Erwachsener zu haben und Unternehmer sein zu können, braucht man in Deutschland eine gerichtliche Ausnahmegenehmigung. Außerdem muss das Jugendamt sein Okay geben, ob der Jugendliche „reif“ genug ist. Drei Jahre hat das Antrags- und Zulassungsprozedere gedauert. Patrik hat das alles ganz allein und ohne Hilfe gemeistert – mit gerade mal 16 Jahren.

Per Papa-Taxi zum ersten Kundentermin

„Ich habe schon mit elf angefangen, mich intensiv mit dem Internet zu beschäftigen und mit Webdesign zu experimentieren. Das interessiert mich einfach“, sagt der aufgeweckte junge Mann, der inzwischen die 12. Klasse des Beruflichen Gymnasiums „Julius Weisbach“ in Freiberg besucht. Seine Eltern haben ihn immer unterstützt, obwohl sie beide etwas ganz anderes machen. „Meine Mutter arbeitet in der Gastronomie, mein Bruder auch. Mein Vater stammt gebürtig aus Vietnam und arbeitet seit vielen Jahren in einem großen Industrieunternehmen in der Region.“ Auch wenn die Eltern nur ansatzweise verstanden, was ihr Jüngster da macht, spürten sie wohl, dass das seine Begabung und Leidenschaft ist. „Zu meinem ersten Kundentermin hat mich mein Vater gefahren“, lächelt Patrik. Der Jungunternehmer arbeitet inzwischen für mittelständische Firmen aus ganz Deutschland. Dabei ist er hauptberuflich eigentlich Schüler. Eine heftige Doppelbelastung.

Abitur und Job: Patriks Tag hat 18 Stunden

„Klar, das ist schon manchmal ganz schön viel. Vor allem, wenn ich an langen Tagen erst am späten Nachmittag aus der Schule komme“, sagt Patrik. „Dann muss ich Hausaufgaben machen und erst danach geht’s ans Arbeiten. Häufig sitze ich bis Mitternacht, da fällt das Aufstehen früh um sechs schwer und ich hab echt schlechte Laune.“ Sein Kumpel David Klemm, der mit ihm zusammen im Leistungskurs Informatik ist, nickt wissend. „Das mit der Firma habe ich am Anfang gar nicht gewusst“, sagt er, „erst als Patrik es in Englisch mal erzählt hat.“ Da ging es um Hobbys und was die Schüler in ihrer Freizeit so machen. Viel Zeit für Freunde oder Sport bleibt dem heute 18-Jährigen nicht, seine Agentur ist quasi sein Hobby. „Trotzdem gehe ich natürlich ab und zu auch auf Partys“, lacht er. David bestätigt, dass Patrik „eigentlich ein ganz normaler Typ ist, überhaupt nicht abgehoben.“

Lokale Berühmtheit

Inzwischen haben auch die regionalen Medien über Patrik berichtet. Das hat in seiner Schule eine kleine Welle gemacht. Schulleiter Dr. Frank Wehrmeister: „Als wir in der Zeitung über Patrik gelesen haben, waren wir ganz schön platt. So was haben wir bisher noch nie gehabt.“ Natürlich sei es viel, in dem Alter Job und Schule auf die Reihe zu bekommen, schiebt Wehrmeister nach. Ein Einserschüler sei Patrik nicht. Das weiß dieser natürlich und auch, dass er sich seine Zeit gut einteilen und seine Prioritäten bewusst setzen muss. Er hat schließlich ein festes Ziel vor Augen: „Ich möchte gern Fachinformatik studieren, das Abi ist dafür echt wichtig.“ Nach dem Abitur bereits mit unternehmerischer Erfahrung ins Studium zu starten, das gelingt nur ganz wenigen. Patrik wird dazugehören.

www.designtoasty.de

www.bsz-freiberg.de