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Kreativität liegt in der Luft. Spaß. Teamgeist. „Hier zu arbeiten, ist ein Traum.“ Johanna Kwaschik (35) ist ausgebildete Weberin, studiert hat sie Textilkunst in Schneeberg/Erzgebirge. Seit Juni arbeitet sie für das junge Unternehmen „Webervogel“ mit Sitz im Leipziger Westen, nur einen Steinwurf entfernt von der berühmten ehemaligen Baumwollspinnerei. Webervogel fertigt handgewebte Stoffe für die internationale Modeelite. Geführt wird das Unternehmen von Catherine Chalk, einer agilen Französin, die es zufällig nach Leipzig verschlagen hat – ihr Mann arbeitet hier. Eigentlich wollte sich die Französin in Sachsen zur Ruhe setzen, nachdem sie 30 Jahre in Afrika und Frankreich große Textilunternehmen geleitet hatte. Dann hörte sie von der langen und erfolgreichen Textiltradition Leipzigs: Hier produzierte einst die größte und innovativste Baumwollspinnerei Europas.

Luxus aus Leipzig

Catherine Chalk kribbelte es in den Fingern, dieses Erbe mit ihrer Erfahrung zu kombinieren. Die Designerin überlegte nicht lange und packte an: „Wir haben mit privatem Geld Webervogel gegründet und produzieren nun traditionell handgefertigte Designerstoffe. Das heißt, dass wir unsere Stoffe ganz klassisch wie im 19. Jahrhundert weben. Supermodern sind die Designs und manche unserer Garne.“ Die Garnrollen in allen Farben und Materialien lagern auf langen Regalen. Von zarter Seide, flauschiger Chenille bis zum glänzenden Metallgarn – es ist alles dabei. Bis Ende September will Chalk ihre erste Kollektion aus 200 Musterstoffen fertig haben, die sie dann bekannten Labeln in Frankreich, Italien und ganz Europa anbietet. Die Kontakte dafür bringt sie mit, seit Jahren arbeitet sie in der Modebranche. Sie weiß, dass die Nachfrage für exklusive Stoffe immer da ist. „Die Luxusbranche kennt keine Krise. Leipzig ist ein guter Standort, um nach Osteuropa zu expandieren, wo inzwischen viele Menschen leben, die sich Luxusgüter leisten können und wollen.“

Keimzelle für eine neue Textilwirtschaft in der Messestadt

Chalk ist beeindruckt von der freundlichen Art der Sachsen: „Die Leute hier können hart arbeiten. Das schätze ich sehr.“ Die Textilspezialistin hat in Sachsen ein internationales 13-köpfiges Team gefunden. Da ist Faida Tshimwanga (34) aus dem Kongo, die als Schneiderin für Chalk arbeitet. Oder Evelyn Schmidt. Die 58-jährige gebürtige Leipzigerin und ausgebildete Textilgestalterin hat lange in Niedersachsen gearbeitet und ist nun wieder zurückgekehrt. Chalks Assistentin Mercedes Cendan hat über die internationale Gemeinde in Leipzig zu Webervogel gefunden und stammt ursprünglich aus Spanien. Gesprochen wird ein Mix aus Englisch, Deutsch, Russisch, Spanisch und Französisch. Das ambitionierte Ziel von Chalk ist es, dass in Leipzig bald noch mehr Arbeitsplätze entstehen. Sechs bis sieben Jahre hat sie sich gegeben, um Webervogel aufzubauen. „Dann sollen die jungen Frauen hier zu Abteilungsleiterinnen gewachsen sein, die Teilbereiche der Firma führen können. Meine Mitarbeiter sollen begreifen, dass es ihr Unternehmen ist, das sie aufbauen. Ich habe das Wissen und gebe es weiter.“ Sagt es und geht weiter zum Webstuhl von Johanna Kwaschik, fühlt den gewebten Stoff, begutachtet das Muster, lobt, unterstützt, coacht. So belebt man einen Traditionsstandort.

www.webervogel.com