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Dicke Filzhausschuhe stehen vor dem alten Brikett-Ofen als hätte der Meister sie eben ausgezogen. Eine antike Werkbank mit unzähligen Kerben, ein verklebter Leimkochtopf, daneben Spezialwerkzeuge für den Geigenbau. Mit viel Liebe zum Detail ist die Schauwerkstatt der Erlebniswelt Musikinstrumentenbau in Markneukirchen ausgestattet. Musikinteressierte können hier authentisch miterleben, wie Instrumente in traditioneller Handarbeit entstehen. Die Schauwerkstatt ist das Herz der Erlebniswelt, von hier aus agieren Simone von der Ohe und Frank Bilz mit ihren zwei Mitarbeitern. Begonnen haben sie 1999 als Köpfe von Musicon Valley. Der Verein hatte sich auf die Fahnen geschrieben, den traditionsreichen Musikinstrumentenbau im Vogtland wiederzubeleben. „Irgendwann tauchte von den Unternehmen dann die Frage auf, wie wir die Region und den Musikinstrumentenbau noch bekannter machen können“, erzählt Frank Bilz, Marketingleiter von Musicon Valley und begnadeter Organisator.

Traditionelle Handwerkskunst trifft Tourismus

„Daraus haben wir vor fünf Jahren ein Konzept entwickelt, Instrumentenindustrie und Tourismus zu verknüpfen“, sagt Geschäftsführerin Simone von der Ohe. Eine Idee, die es so noch nirgendwo gab. Die herzliche Vogtländerin ist eine Macherin mit Bodenhaftung, wie es den Sachsen eigen ist. Entstanden ist ein ganz besonderes Angebot, bei dem Gäste kleine Manufakturen oder größere Unternehmen besichtigen, live erleben, wie Instrumente gebaut werden, gemeinsam musizieren und die traditionelle vogtländische Küche genießen. Insgesamt 5 Hobby- und Berufsmusiker haben sich 2013 nach Markneukirchen aufgemacht und die 350-jährige Handwerkskunst, die idyllische Landschaft und die sächsische Gastfreundschaft genossen.

Überwältigt und beeindruckt: Studenten der Stanford-Elite-Uni

Darunter waren auch 90 junge Musikerinnen und Musiker des Stanford Symphony Orchestra aus Kalifornien. Auf ihrer Europatour im Juni hatten die Nachwuchsmusiker neben Prag, Bonn, Leipzig und Wien auch im Vogtland Halt gemacht. Und waren begeistert und beeindruckt. Entsprechend ihrer Instrumentengruppen hatten sie verschiedene Firmen besucht, darunter Geigenbauer Reinhard Bönsch, die Meisterwerkstatt für Cello und Kontrabass von Björn Stoll oder die Rohema als älteste noch bestehende Taktstockfabrik der Welt. „`Wow!´ und `It’s absolutly amazing!´ haben wir immer wieder gehört“, schmunzeln von der Ohe und Bilz und sind ein bisschen stolz.

Erfolgsrezept: eine Marktlücke, Beharrlichkeit und individuelle Gästebetreuung

„Wir sind der Gegenentwurf zu pauschalen Billigreisen. Das heißt, dass wir für unsere Gäste permanent persönlich präsent sind und auch mal einen Kamillentee kochen, wenn es nötig ist“, sagt Bilz. Die Rückmeldungen vom Tourismusverband, den Unternehmen und natürlich ihren Besuchern geben ihnen Recht – und die nötige Kraft, weiterzumachen.

erlebniswelt-musikinstrumentenbau.de